Heute beginnt die Woche der Brüderlichkeit. Wer sie nicht kennt, dass ist eine Woche, die jedes Jahr im März vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ausgerichtet wird. Ich nutze diesen Anlass um eine neue Rubrik hier auf unserer Website zu starten: den Meinungsblog. Ab und an, wenn das Thema sich anbietet, wird es auf der Website der }Hamburg also Meinungen zu bestimmten Themen oder Anlässen geben. Das ganze dann in Blogform. So können engagierte Schreiber*innen der {Hamburg ihre Meinung zu Themen, die gerade aktuell sind hier kundtun. Der Kommentar zum Weltfrauentag, war schon fast als Blog gedacht, allerdings klappte das zeitlich nicht ganz. Vielleicht bringe ich hier aber auch noch zwei Sätze dazu unter, das Thema passt ja auch.

Vielleicht fragen sich einige, warum diese Woche in der heutigen Zeit noch notwendig sein soll. Gibt es doch heute Stimmen, die fordern, dass der Schuldkult für beendet erklärt werden soll und Deutschland sich eher auf seine positiven Errungenschaften in der Geschichte besinnen soll. Ohne Zweifel, wir haben große Humanist*innen, große Wissenschaftler*innen und Denker*innen hervorgebracht. Jedoch, und das sollten wir nie vergessen, ist unsere Geschichte geprägt vom Antisemitismus. Und das nicht nur in den zwölf Jahren, die eigentlich als 1000 geplant waren. Die deutschen Christ*innen, enthemmt durch Fehlleitung in Glaubensfragen, unterstellten den Juden*Jüdinnen nicht nur die Vergiftung der Brunnen in den Zeiten der Pest, sondern immer wieder die Schändung von geweihten Hostien und selbstverständlich die Opferung von Kindern selbst. Achso ja, die Juden haben ja auch unseren Herrn Jesus Christus umgebracht. [(Ernsthaft, das war ein großes Argument zur Hetze gegen Juden. Ein ganz kleiner Exkurs: Gott wird geboren, mit dem Plan die Schuld der Menschen zu tilgen, durch seinen Tod und die darauf folgende Auferstehung. Dafür müssen die Menschen aber die größte Sünde begehen, sie müssen Gott ans Kreuz nageln. Das tun sie auch sehr erfolgreich. Hier aber hard facts: 1. Die Römer verurteilten Christus und Pilatus war ein so brutaler Statthalter, dass er überallhin strafversetzt wurde und 2. die Evangelien sind schon in einer gewissen Antijudaischen Haltung heraus geschrieben.)] Zugegeben, das war ein gesamteuropäisches Problem und kein reindeutsches. Der Holocaust, war also der Gipfel einer langen Geschichte von Hassgedenken auf Juden und Jüdinnen.

“Aber das ist doch alles Schnee von gestern, heute sind wir ganz anders!” “Wir sind das einzige Volk mit einem Denkmal der Schande!” Vielleicht sind wir das, aber wie hat Hagen Rether es so treffend formuliert: “Wir haben uns lange noch nicht genug geschämt!” Und das können wir, denke ich, genau so stehen lassen. Sicher, wir denken heute reflektierter. Wir begehen ganz bewusst Wochen wie diese. Wir lernen ja sogar in der Schule alles über den Holocaustund die Geschichte des Antisemitismus. Dennoch gibt es heute noch Witze über Juden und das nicht zu knapp. Dennoch verwenden wir heute noch Schimpfwörter, die einen klar antisemitischen Ursprung haben und wenn wir ehrlich sind, manchmal fremdeln wir schon noch mit dieser Religion, die uns doch eigentlich so ähnlich ist. “Die politische Korrektheit gehört auf den Misthaufen der Geschichte”, forderte sogar Alice Weidel. Ja prima, damit wir wieder völlig befreit alles sagen können, ohne auf irgendjemand Rücksicht nehmen zu müssen. Wohin das führen könnte, daran sollte wir denken, bevor wir so etwas sagen. Eigentlich sollte das Frau Weidel wissen. Nein, dass soll auch kein AfD Bashing sein. Verkappter Antisemitismus ist ein Problem, dass wir alle haben. Wer noch keinen Witz über Juden*Jüdinnen gemacht hat, der*die soll jetzt die Hand heben.

Was also muss geschehen, damit die Animositäten im Geiste endlich aufhören? Genau das, was heute in weiten Teilen passiert, wir müssen weiter den Weg der Verständigung gehen, müssen uns damit auseinandersetzen, dass unser Volk eben nicht nur große Denker*innen und Humanist*innen, sondern auch Arschlöcher hervorgebracht hat und den Dialog mit der Jüdischen Gemeinschaft eingehen. Einen Dialog, der zukünftig soweit führen sollte, dass eine Woche der Verständigung nicht mehr notwendig wäre. Zumindest nicht um einem Juden*Jüdinnenfeindlichen Teil unserer Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Vielleicht kämen wir dann an einen Punkt an dem es wirklich nur um Theologie ginge.

Problematisch ist der Name dieser Woche, denn nachdem Frauen nun schon seit 100 Jahren wählen dürfen und sogar einen eigenen Feiertag haben, kann man sie vielleicht in diese Woche auch mit einbeziehen. “Woche der Geschwisterlichkeit” wäre doch auch ein guter Name. Sollte das allerdings so gemeint sein, dass Frauen sich niemals an den Juden*Jüdinnen schuldig gemacht hätten, dann ist das zwar schmeichelhaft, allerdings auch äußerst unwahr. Wir Frauen wollen auch in den Dialog treten, wir wollen auch unsere Geschichte aufarbeiten und deshalb auch Teil dieser Woche sein. Vielleicht denken die Menschen, die diese Woche ausrichten einmal darüber nach. Vielleicht können einige das auch nicht mehr hören, aber ich bin auch dafür, dass wir die Feindlichkeit gegenüber Jüdinnen einstellen. Die werden nämlich im diesjährigen Motto “Mensch wo bist du? Gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit.” auch nicht genannt.

Was heißt das für uns?

  1. Diese Woche wird es ein zwei Aktionen zur jüdischen Religion geben in unserer Fastenaktion.
  2. Wir sollten uns allgemein im Klaren darüber sein, dass antisemitismus heute nicht nur Problem der Migrant*innen ist, sondern immer noch ein Ururdeutsches.

Schämen wir uns also weiter für Vergangenes und machen wir es in Zukunft besser!

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