Heute vor 80 Jahren wurde die „Jugenddienstpflicht“ eingeführt. Das bedeutet, dass Jugendliche, auch gegen den Willen der Eltern, gezwungen werden konnten der Hitlerjugend beizutreten. Wer die Geschichte kennt, weiß dass das dann später im Kriegseinsatz der HJ mündete. Männliche Jugendliche wurden so also zum Kriegsdienst gezwungen.

Nun, die Zeit des NS Regimes ist vorbei und ich bin froh, dass wir in einer Zeit lebe, in der wir freiheitlich demokratisch leben dürfen, in der wir geschützt sind vor derlei Willkür und in der Jugendliche ohne die Angst zwangsrekrutiert zu werden zu Erwachsenen heranreifen können. Es gibt allerdings auch heute noch Missstände, die einer Gleichberechtigung der Generationen, dem Schutz und der Partizipation der Jugend noch nicht zur Gänze entsprechen.

Ich möchte hier ganz bewusst die Bundeswehr erwähnen die, obwohl laut Unicef alle Soldat*innen unter 18 als Kindersoldat*innen definiert werden, Minderjährige in ihre Reihen aufnimmt . Erwähnt sei hier zwar noch, dass es sich dabei um eine Art Schmalspurverpflichtung handelt, jedoch macht dieser Einwurf den Verhalt nicht wirklich besser. So dürfen Minderjährige nicht bei einem Auslandseinsatz eingesetzt werden und sie müssen beispielsweise keinen Wachdienst schieben. Wowi. Ist das dann ernsthaft das Argument dafür, dass Jugendliche mit dem Einverständnis der Eltern zur Bundeswehr dürfen? Ok, aber wenigstens dürfen sie die politisch Verantwortlichen mitwählen, die die Geschicke der Bundeswehr verantworten. Was? Ach so, diese jungen Bürger*innen in Uniform dürfen gar nicht wählen? Sie dürfen sich also lediglich verpflichten ein System zu verteidigen, das sie aus den Entscheidungen, die wir als Gesellschaft treffen, ausschließt beziehungsweise nicht zulässt. Das macht ja Sinn. Nicht.

Argumente derer, die die Rekrutierung Minderjähriger befürworten sind unter anderem, dass 17-Jährige ja zum Teil auch schon arbeiten und so Geld verdienen und in einem Arbeitsvertrag stehen. Um dieses Argument zu verstehen, müssen wir ein bisschen zurückgehen in deutscher Rhetorik, die Bundeswehr betreffend. Ja, da hieß es ungefähr: „Soldat*innen sind doch auch nur Bürger*innen in Uniform!“ „Unser Heer ist doch kein Angriffsheer!“ Das Deutschland keine Angriffskriege mehr führt, das ist klar (glaubt man der Rhetorik der Politik, führen wir gar keine Kriege sondern helfen nur bei Polizeieinsätzen mit). Dass die Bundeswehr dennoch Soldat*innen ins Ausland schickt, in Einsätze bei denen Menschen sterben können aber auch. Das müssen die 17-Jährigen die einer geregelten Arbeit nachgehen allerdings selten erleben, dass Kamerad*innen ins Ausland geschickt werden und dann traumatisiert zurückkommen, oder eben im Rollstuhl oder im Sarg. Denn das passiert beim Bund. Deshalb sind es Soldat*innen. Sie unterschreiben die Gefahr einzugehen eventuell getötet zu werden.

Dass Minderjährige zu rekrutieren nicht mal so eben zufällig entstanden ist und dass dahinter wahrscheinlich eine Strategie steckt, das macht die Bundeswehr regelmäßig eindrucksvoll deutlich durch ihre YouTube Serien. Dort wird Jugendlichen in hochwertig produzierten, sicher auch teuren, Clips vermittelt wie steil ein Leben beim Bund, unter Kamerad*innen und im Einsatz ist. So macht sich die Bundeswehr das Argument derer, die sagen dass Jugendliche und Kinder zu verführbar wären um eigenständig zu wählen, zu Nutze. Wenn wir den Umkehrschluss anwenden, dann bedeutet das also, dass Jugendliche zum Dienst an der Waffe zu verführen und so den abgeschafften Wehrdienst zu ersetzen okay ist, sie von Parteien verführen zu lassen diese zu wählen, ein Schicksal vor dem wir alle nicht gefeit sind (auch wenn wir schon älter sind), wiederum nicht. Ach so, viele Parteien wollen gar nicht, dass Jugendliche wählen?

Warum das nur nicht? Liegt das etwa daran, dass Jugendliche eine andere Meinung haben könnten? Weil sie in etwa so wählen würden: Klick. Unser Bundestag sähe auf jeden Fall anders aus. Ein*e Schelm*in wer Böses dabei denkt. Jugendliche dürfen nicht wählen, weil unsere Gesellschaft immer älter wird (reine Spekulation, aber der Punkt Generationengerechtigkeit wird in kaum einem Parteiprogramm wirklich thematisiert und wer sich das Durchschnittalter des Bundestags und aller Parlamente anschaut, die*der kann dort schon Parallelen finden), man fürchtet den großen Umsturz. Der ist aber bisher in den Bundesländern, die das Wahlrecht ab 16 auf Kommunal- und Landesebene eingeführt haben auch nicht gekommen.

Vielleicht und das ist aber jetzt nur ein Vorschlag von mir, wäre es ja sinnvoll, wenn wir Kindern und Jugendlichen (und vielen, sehr vielen „Erwachsenen“) eine wirklich gute politische Bildung und Fortbildungsmöglichkeiten bieten würden, so dass sie sich in den politischen Prozessen wohlfühlen und ihre Stimme als gut gegeben ansehen können, dann hätten sie gar keine Zeit mehr zur Bundeswehr zu gehen. Auch das G8 hat wohl die längste Zeit bestanden, denn viele stellten fest, dass 17 -Jährige wohl doch nicht den Reifegrad von Schüler*innen haben, die neun Jahre gymnasiale Schulbildung genießen durften.

Als die Wehrpflicht abgeschafft wurde, da war die Aussage, man wolle in Zukunft nur noch reifes, vielleicht schon ausgebildete Soldat*innen einstellen, die der Aufgabe auch gewachsen sind. Chapeu, genau diese Rolle nehmen jetzt die 17 -Jährigen ein, die die zu unreif zum Wählen sind. Ihr Land zu verteidigen, dazu reicht es aber.

Engagieren wir uns also alle bei der U18 Wahl und schaffen wir eine Situation in der Jugendliche ihre Meinung und ihre Stimme sichtbar machen können.

Deshalb heute bei Instagram, Twitter, bei YouTube und allen anderen Medien auf Seiten der Parteien, der Bundeswehr und der Wirtschaft: #wählenstattgehorchen

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