Wir alle haben Menschen, die viel zu früh aus unserem Leben gerissen wurden, die nach langer Krankheit sterben mussten oder die im erreichten Alter gestorben sind, die wir aber alle gleichermaßen vermissen. Heute vor 27 Jahren wurde mein Bruder geboren und musste vor neun Jahren leider schon an einem Gehirntumor sterben. Viel zu früh und ich hatte lange damit zu kämpfen. Mit dem Glauben, dem Leben ohne ihn, der Lücke, die sein Tod in mein Leben und das meiner Familie gerissen hat.

Was mir geholfen hat ist der Umgang, den meine Familie mit dem Tod meines Bruders pflegt. So besuchen wir als Familie zu seinem Geburts- und Todestag gleichermaßen den Friedhof, wir beten und trinken Whisky. Ja, wir trinken Whisky, denn zwei Wochen vor seinem Tod warn mein Bruder un ich noch in Schottland, quasi seine Abschiedsreise (er wusste da schon, dass er nicht mehr lang zu leben hatte). Wir haben also einen Kelch, den mein Bruder damals getöpfert hat, den wir füllen und im Kreis herumgeben. Den letzten Schluck schütten wir dann immer aufs Grab.

Ehrlich gesagt, ich glaube schon, dass sich das wohl etwas makaber anhört, aber uns tut das gut. So haben wir das Gefühl, dass wir ihn noch einmal ganz in unsere Mitte nehmen können. In die Mitte nehmen wir ihn auch, wenn wir beten und für ihn singen. Es ist ein ganz bewusster Moment, den wir teilen. Das hilft mir auch, dass ich alleine zu seinem Grab kann. So kann ich auch die stillen Momente an seinem Grab und in seinem Andenken genießen.

Ich lade dich dazu ein, dass du dich heute an liebe Menschen erinnerst. Aber trauere ihnen nicht nach, sondern nimm sie mit in deinen Alltag. Denk an die schönen Momente, die du mit ihnen hattest. Denk an die Momente in denen ihr lachen konntet, urkomische Situationen und an die schrägen Eigenheiten. Wenn dir danach ist, dann geh doch auch mal wieder auf den Friedhof und nimm dir dort Zeit. Du wirst sehen, der Tod ist nicht nur Trauer und Dunkelheit, auch wenn es in der ersten Zeit so scheint.

So glauben wir als Christ*innen ja an die Auferstehung Christi nach dem Tod am Kreuz, wir glauben an das Leben bei Gott und die Liebe, die uns umfängt. Deshalb ist der Tod nicht das Ende. „Ich bin nicht weit weg, ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.“, so schreibt Charles Peguy ins seinem tröstendem Gedicht „Der Tod ist nichts“. Nichts ist der Tod nicht, denn er ist die Vollendung unseres Daseins hier auf der Erde, in diesem irdischen Körper. Alles andere ist as menschlicher Sicht Spekulation, oder eben die andere Seite des Weges.

Also denken wir heute an unsere Lieben und freuen uns der Zeit, die wir mit ihnen verbringen durften. Dan wächst auch auf kargen Wüstenboden etwas. Schlägt Wurzeln und blüht.