Voran: Es tut mir leid, dass es gestern keinen Impuls gab, ich war ehrlich gesagt so mit Arbeit eingespannt, dass ich es einfach nicht geschafft habe.

Auch wenn heute noch nicht der Zeitpunkt gekommen ist, in den Kreuzweg zu gehen, möchte ich doch eine Person herausgreifen, die wir sonst so selten mit wachem Auge betrachten. Simon von Cyrene. Ein Mann, der als ein Charakter ins Bild gerückt wird, der eigentlich gar keine so große Rolle spielt im Kreuzwegsgeschehen und doch eine Wichtige. Als einfacher Mann, der gerade vom Feld kommt, wird er nämlich von den römischen Soldaten gezwungen Jesus beim Tragen des Kreuzes zu helfen. Jesus fällt unter dem Kreuz und die Soldaten merken, dass das wahrscheinlich wenig Sinn macht, ihn das Kreuz alleine tragen zu lassen. Also ziehen sie willkürlich einen Mann aus er Menge heraus und zwingen ihn Christus beim Tragen des Kreuzes zu helfen.

Welch skurrile Situation. Stell dir das einmal vor, du stehst in der Menge, während ein Mensch den Gegenstand seiner Hinrichtung durch die Stadt trägt und das völlig ausgepeitscht und blutüberströmt. Okay, das alleine ist für uns eine völlig skurrile Situation. Noch skurriler wird es allerdings, wenn du dir jetzt noch vorstellst, dass du den Hinrichtungsgegenstand, denn der*die Delinquent*in selbst durch die Stadt tragen muss, vorbei an einer riesigen Menschenmenge, für ihn*sie tragen sollst um ihn*sie bei diesem Gang zu unterstützen. Damit das Ganze reibungsloser verläuft.

Das bedeutet, obwohl du noch nicht einmal geplant hast, dem ganzen beizuwohnen, bist du jetzt ein nicht ganz unerheblicher Teil der Hinrichtung. In diesem speziellen Fall bist du also nicht nur Teil irgendeiner Hinrichtung, sondern der größten und fabulösten, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Die ganze Stadt steht also da, schaut zu und hat ihrer Meinung.

Was also, denkst du dir in diesem Moment? Was denkt sich Simon von Cyrene? Gezwungen zum Helfen und gezwungen Hilfestellung bei der Hinrichtung zu geben. Ich an Simons Stelle wäre verzweifelt. Anhand Simons Person wird deutlich, wie sich im Kreuzweg das Böse des Menschen bündelt. An Simons Person wird auch deutlich, wie sich Menschen, die sich eigentlich nichts zu Schulden haben kommen lassen die Hände schmutzig machen (müssen). Simon verkörpert uns und verkörpert die sehr landläufige Meinung, die ich schon häufiger gehört habe: „Hätte ich damals gelebt, ich hätte da nicht mitgemacht!“ Als ob wir das immer beeinflussen könnten.

Wir können es immer wieder versuchen, aufzustehen und uns zu weigern mitzumachen. Wir müssen aber auch damit zu Recht kommen, dass der Druck auf uns, durch eine Gruppe oder ein Establishment, so groß ist, dass wir uns vermeintlich nicht erweheren können. Wenn wir es doch tun, dann haben wir verstanden, warum Simon von Cyrene erwähnt wird. Auch wenn Simon von Cyrene Christus hier dabei hilft nicht wieder zu stürzen. Aber genau das ist ja das Perfide. Wenn Helfen zur Beihilfe wird.

 

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