Gemeinsam Mahl zu halten, gemeinsam zu Essen ist eine menschliche Tradition seit jeher. War es in einer Zeit, in der Menschen noch Jäger*innen und Sammler*innen waren um eine Gruppierung, einen Stamm von anderen durch Kreise um das Feuer voneinander zu unterscheiden und ein Sippenzugehörigkeitsgefühl zu erzeugen, so hat sich das gemeinsame Essen als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Menschen in nahezu allen Kulturen erhalten. Später wurde das gemeinsame Speisen weiterhin als Kennzeichnung für Familienzusammengehörigkeit genutzt, wenn auch in späteren Hochkulturen im gemeinsamen Haus/in der gemeinsamen Hütte. Auch am Hof, konnte sich der*die glücklich schätzen, die*der mit dem*der Herrschenden speisen durfte.

Mahlzeiten sind oft auch Zeichen eines Zeremoniells und folgen in einem solchen Rahmen oft strengen Regeln im Ablauf. Auch bei uns zu Hause gibt es bestimmte Sitten und Traditionen beim Essen. Wenn du einmal darauf achtest, wirst auch du das feststellen. Manche Familien beten vielleicht vor dem Essen, bei anderen wird während des Essens nicht gesprochen (mein Opa sagte immer: „Wenn der Vogel isst, dann pfeift er nicht!“), was heute sicherlich nicht mehr oft üblich ist. Bei anderen wird erst gegessen, wenn alle am Tisch sitzen, andere sehen dabei immer fern und wieder andere haben sich angewöhnt gar nicht mehr zusammen zu essen.

So darf es uns nicht wundern, dass der Christus als Ort des letzten gemeinsamen Treffens mit seinen Jüngern ein Mahl wählt. Allerdings wählt er nicht irgendein Mahl, sondern er wählt ein Mahl am Vorabend des Pessachfestes (ein Theorem, das allerdings theologisch gut begründet werden kann). Christus macht sich hier selbst zum Opferlamm und verbindet die jüdische Heilsgeschichte des Exodus mit der Heilsgeschichte des Menschensohns. So wird seine messianische Sendung deutlich, die als Jude unter Juden*Jüdinnen natürlich ihren Ursprung in der jüdischen Heilskultur haben muss. Um diesen Meilenstein in der Mensch-Gott-Beziehung zu institutionalisieren, prägt er den Jünger*innen ein, dass sie sich an dieses Mahl erinnern sollen, zu seinem Gedächtnis. So macht er, der Sohn Gottes, sich (also Gott) zum Mittelpunkt jeder Mahlzeit.

Nehmen wir dies als Beispiel für uns, so können wir sehen, dass ein zentraler Punkt des Glaubens das gemeinsame Feiern, das gemeinsame Essen ist. Daran erinnern wir uns in jeder Eucharistiefeier. Dort halten wir gemeinsam Mahl um uns an diese Situation zu erinnern. Wir erinnern uns aber nicht nur an dieses Mahl, sondern wir haben, das glauben wir zumindest, Christus direkt in unserer Mitte. Nach der Wandlung ist die Oblate nämlich Christus selbst. Jesus ist dann realpräsent. Wirklich anwesend, wir nehmen also in der Kommunion Christus selbst in uns auf und können so die Gemeinschaft mit Gott erleben. Nicht nur nachfühlen.

Heute also am Gründonnerstag stehen wir wirklich mit Christus an dem Punkt, an dem er auch mit seinen Jünger*innen stand. Es ist das letzte gemeinsame Mahl, dass wir mit ihm einnehmen, bevor er verhaftet, gefoltert und hingerichtet wird. Bevor er stirbt am Kreuz.

Wenn du also heute in den Gottesdienst gehst, dann versuche doch einmal intensiv die Eucharistiefeier mitzufeiern und versuche die Gegenwart Christi zu spüren. Wenn du es nicht schaffst, dann kannst du ja versuchen bei den Mahlzeiten nicht nur für dich zu essen, sondern beim Essen die Gemeinschaft zu spüren. So kommen wir Menschen uns näher und so auch näher zu Gott.

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