Wieder ein Kommentar, der von Rachel Sarah als Person und nicht Teil der Diözesanleitung geschrieben wurde.

Es gibt wenige Dinge, die mich wirklich stören in der katholischen Kinder- und Jugendarbeit. Ich halte die Verfasstheit unserer Strukturen für mit die besten, die wir in der detschen Kinder- und Jugendverbandsarbeit finden können. Aber es gibt natürlich auch Dinge, die für mich einen Stein des Anstoßes darstellen. Ein sehr krasser Stein des Anstoßes, der auch unsere Arbeit deutlich erschwert, ist auf jeden Fall das Factum, uns immer dafür rechtfertigen zu müssen, dass wir in der katholischen Kirche aktiv sind, dass wir diesem Verein angehören, ihn auch noch mitgestalten und den Glauben auch noch gut finden.  Warum ist das so?

Als KjG haben wir uns sicher wenig vorzuwerfen, was diesen Unmut mit sich bringen würde, genau so wenig wie die anderen Kinder- und Jugendverbände. Wir generieren gesellschaftlich keine Skandale. Allenfalls fallen wir als KjG vielleicht mit unserem, für eine grundkonservative Gesellschaft, doch sehr fortschrittlichen und zeitgemäßen Geschlechterbild und der radikalen Gleichberechtigungsidee von diesen auf. Woran also liegt es, dass wir uns rechtfertigen müssen? Prinzipiell ist es ja immer so viel leichter Schuld und Verantwortung abzuschieben auf andere, jedoch sehe ich uns hier genau in dieser Position. Die Skandale, mit denen die Kirche auf sich aufmerksam macht und gemacht hat, gerade auch im Umgang mit Sexualverbrechen gegen Minderjährige und deren Aufarbeitung, dürften hier ein gutes Beispiel sein. Sicherlich dürfte auch die Finanzpolitik der Kirche ein Punkt für viele Kritiker*innen sein, wobei ich mich hier zu wenig auskenne und zu wenig fundierte Fakten habe. Ich bleibe also beim skandalösten Thema der Kirche in den letzten Jahrzehnten, dem fast schon institutionalisierten Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Rahmen von pastoralen Räumen.

Stellungnahme um Stellungnahme gab es von Kinder- und Jugendverbänden und auch von der KjG, um unseren Unmut auch über die Ergebnisse des Antimissbrauchgipfels im Vatikan Raum zu geben. Denn das radikale Schuldeingeständnis und der unbedingte Wille zur Reue und Buße, der blieb leider aus. Dann aber hatte im Vatikan jemand eine sehr gute Idee. Kein geringerer als unser heiliger Vater Emeritus Benedikt XVI. schrieb einen Aufsatz in der bayerischen Klerikerzeitung, um seine Sicht der Dinge auf die Missbrauchsvorwürfe und die Rolle des Klerus in diesen darzulegen. Das Ganze mit der direkten Billigung von Papst Franziskus. In diesem Artikel also bringt uns Benedikt bei, woran es wirklich liegt in der Kirche, dass manche Priester und andere Kleriker die Finger von Kindern und Jugendlichen nicht lassen können. Es sei unter anderem die Schuld der 68er Aufklärung und der homosexuellen Clubs in Priesterseminaren. Und damit, ja damit trifft er schon den Kern der Problematik. Zum einen wissen wir ja, dass nahezu alle Homosexuellen auch pädophil und zumindest übergriffig sind und wir wissen natürlich auch, dass das Hinterfragen von gewohnten Strukturen in der Sexualität einer Gesellschaft, sowie deren Verfasstheit in den politischen Ämtern nahezu immer zu einer Welle von Übergriffen führt.

Welch großer Bullshit. Ich will gar nicht außen vor lassen, dass er auch davon schreibt, dass in einer Welt die Gott nicht mehr als moralische Instanz betrachtet und achtet Unmoralität und unethischen Handeln Tür und Tor geöffnet werden. Dies muss allerdings auch immer in Kontext zur Struktur des Klerus gelesen werden. Die Untaten, die an Kindern und Jugendlichen begangen wurden, diese Straftaten, können nicht einfach so durch die Abwälzung auf eine Sexualaufklärung, die zeitgemäß eben nicht mehr den Vorstellungen der Welt des neuen und alten Testaments, der semitischen Religionen, entspricht abgewälzt werden. Auch haben homosexuelle Clubs in Priesterseminaren sicherlich nichts damit zu tun. Vielmehr muss doch hinterfragt werden, ob nicht eventuell aufgestaute und erzwungenermaßen unterdrückte sexuelle Energie dazu führt. Dass ein Machtgebilde, wie es eben die 68er anprangerten, das fast schon totalitär, in den Jahren vor Vaticanum II, agieren konnte zu eben auch Missbrauch dieser führen könnte.

Es wäre jetzt angebracht gewesen zu sagen: „Ja Gott fehlt in unserer Gesellschaft. Gott fehlte auch in Teilen unseres Klerus. Wir haben jetzt umfassende Maßnahmen eingeleitet und die staatlichen Justizbehörden mit umfassendem Material in der Anklage der Verbrecher unterstützt. Wir werden uns nun Gedanken machen, als Weltkirche, wie wir in Zukunft mehr darauf achten, dass keine derartigen Machtgefälle entstehen und schon Erstvergehen unbedingt transparent darstellen.“

Das wäre eine Aussage, die jetzt angebracht wäre. Die Kirche ist nämlich hier als moralische Instanz gefragt, sie ist gefragt in ihrer Rolle für den heilsbedürftigen Menschen, sie ist gefragt als Trägerin von Sitte und Moral in einer Zeit, die wie Benedikt richtig feststellt geprägt ist von Profanem, Leid und Unheil. Papst Benedikt war ein wichtiger Wegbereiter und unterstützende Kraft des zweiten vatikanischen Konzils. Der Umbruch, der sich zu dieser Zeit in der Kirche vollzogen hat, war bahnbrechend und wir dürfen dafür noch heute dankbar sein. Diese Leistung möchte ich hier auf keinen Fall in Abrede stellen. Jedoch wäre, sich jetzt dem Aufbruch zu einer Rückkehr zu christlichen Idealen, des Schuldeingeständnisses und des Gelobens der Besserung in den Weg zu stellen, jetzt genau das falsche Zeichen und darf nicht passieren.

Ich bete dafür, dass die Kirche jetzt einsieht, was passiert ist, und weiterhin die Instanz der Verbreitung des Wortes Gottes bleibt. Denn ich liebe meine Kirche und ich liebe meine Kinder- und Jugendverbandsarbeit. Ich möchte mich nur nicht mehr dafür rechtfertigen müssen, ein Teil von ihr zu sein.

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