Karfreitag. Ein weiterer Feiertag im Jahreskreis. Da gehen wir dann um 1500h nachmittags in die sehr dröge Karfreitagsliturgie, die noch karger und langatmiger ausfällt als andere Gottesdienste. Unendlich lange Fürbitten schleppen sich dahin, nur unterbrochen vom monoton klingenden „Beuget die Knie. –Erhebet euch.“ Yeah.

Wenn wir aber mal wirklich darüber nachdenken, warum dieser Gottesdienst so anders ist als alle anderen, dann sieht die Sache für uns vielleicht sogar ein bisschen anders aus. Am Karfreitag gedenken wir des Todes Christi am Kreuz. Wir denken daran, dass Gott auf die Welt kam um für unsere Sünden gegeißelt, verspottet, geschlagen, gefoltert und ans Kreuz geschlagen wurde. Dass er den Tod von Verbrechern und Verrätern gestorben ist.

Und für was ist er gestorben? Um unsere Sünden auszulöschen? Unsere Schuld zu tilgen? Sicherlich, wir müssten um das Ganze konkret zu fassen auch über dieses Ursünden Dingens sprechen. Müssten, können, sollten. In der Theologie wird dabei nämlich oft von der Urschuld Adams gesprochen. Die Ursünde Gott nicht zu gehorchen, vom Baum der Erkenntnis zu essen und die daraus resultierende Vertreibung aus dem Paradies. Bedenken wir aber einmal, dass wir ohne die Erkenntnis nicht die Menschen wären, die wir sind, ausgestattet mit einem freien Willen und in der Folge Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, sich nicht aus freiem Willen ans Kreuz hätte schlagen lassen können, wäre er nicht mit der Erkenntnis ausgestattet, die Adam errang, so wird alleine hierdurch für mich schwierig nachvollziehbar, wie wir ernsthaft an dieser Ursünde Adams und Evas festhalten können.

Wollen wir Menschen etwa diesen Gedanken für uns beanspruchen, dass es auf der Welt schlecht läuft nur deshalb? Diese negative Sichtweise würde uns doch nicht viel weiterbringen, als dass Jesus Liebestod am Kreuz eine reine Ausgleichskiste war. Ein quid pro quo Geschäft.

Jesu Tod verliert hierdurch an Selbstaufgabe, an Hingabe und dem bestätigen eines neuen Bundes. Gott bestätigt durch den Tod den neuen Bund. Er selbst erfüllt, was er Abraham nicht machen lässt, er opfert seinen Sohn und stirbt selbst am Kreuz. Er macht sich so menschlich, dass er durch die reine Liebe und den ungefilterten Hass der Menschen stirbt.

Akzeptieren wir, dass Gott, der die Liebe ist, fähig ist dieses größte aller Liebesgeschenke zu machen. Wir Menschen, die wir uns ja schon mit sehr viel kleineren Gesten der Nächstenliebe und Liebe schwertun, stehen also am Karfreitag da und müssen akzeptieren: Unser Gott ist Mensch geworden, unser Gott wurde von uns gekreuzigt und unser Gott nimmt unsere Schuld auf sich, stirbt durch sie und lässt uns fragend ob dieser Liebe zurück. Soweit sind wir am Karfreitag.

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