Braucht es 2020 noch einen Weltfrauentag? Kurze Antwort: ja.

Eigentlich könnten wir hier schon aufhören, wäre doch genug gesagt. Dass Frauen und Männer unterschiedlich sind, dass sie hormonell völlig diametral konstruiert sind und so Frauen nicht dasselbe Machtbedürfnis wie Männer haben, geschenkt. Dass Frauen alleine hormonell unterschiedliche Rollen in der Gesellschaft einnehmen, geschenkt.

Nur, muss das heißen, dass unsere Welt deshalb perfekt ist, das Frauen sich mit einer Mutterrolle und dem beschützt werden zufrieden geben sollten?

Auf keinen Fall. Die Entscheidungsfreiheit für Frauen, sich dem Lebensweg zu widmen, der ihnen am meisten liegt ist noch lange nicht in allen Ländern der Welt eingetreten. Und sogar hier in Deutschland, wo wir schon weite gekommen sind, werden Stimmen laut, vor allem auch von Frauen, die sich auf ein Geschlechterbild rückbesinnen wollen, das eigentlich gruselig ist. „Frauen sollen wieder Mutter sein dürfen!“, hört man da oft als Forderung. Ich frage mich dann ja oft, wer uns das eigentlich verboten hat.

Dass die Vereinbarkeit von Muttersein und Beruf immer schwieriger wird, liegt wohl in aller erster Linie daran, dass wir uns in einer Ellenbogengesellschaft und posthumanistischen Zeit befinden in der soziale Gefüge und familiäre Geborgenheit immer mehr der Effizienz und einer kompetenzorientierten Lebensweise weichen müssen.

Der Begriff „Gender Mainstreaming“, der heute schon fast als Kampfbegriff von vielen Gegner*innen der Emanzipation der Frau verwendet wird, ist vermutlich einer, der am wenigsten verstandenen. Was bedeutet er denn eigentlich? Es geht darum, dass Frauen und Männer in ihrer unterschiedlichen Geschlechtlichkeit dennoch die Gleiche Behandlung und Stellung verdienen. Allerdings unter der Berücksichtigung ihres Geschlechtes.

Es wäre nun völlig falsch zu behaupten, dass Frauen und Männer gleich sind. Denn das sind sie auf keinen Fall. Rein hormonell haben sie unterschiedliche Bedürfnisse und das ist auch gut so. Nur dürfen wir hier nicht vergessen, dass die Rollen unserer Geschlechtlichkeit sich im Laufe der Geschichte gebildet haben und so zu einem großen Teil mit dazu beigetragen haben, dass wir heute so leben, wie wir leben.  Das Bild, dass der Mann einer Familie vorsteht, da er die Familie, zur Not mit Gewalt, verteidigen könnte und unbedingter Ernährer der Familie sein muss, sollte eigentlich schon lange überholt sein.

Warum leben wir dann noch in einer Welt, in der es so viele Länder gibt in denen der Mann eine Gewalt über Frauen ausübt, die wirklich physische Gewaltkomponenten benutzt? Reden wir von Steinigungen in arabischen Ländern, reden wir von der Beschneidung der Frau und reden wir von Vergewaltigungen, die im überproportional hohen Ausmaß von Männern an Frauen begangen werden.

Das meiste werden wir hier nicht mehr finden und Gott sei Dank stellt sich unsere Gesellschaft hier dagegen. Nur ist es auch oft so, dass vieles hier auf die Rückständigkeit anderer Länder geschoben wird und die Ursachen völlig außer Acht gelassen werden. Dass immer noch Männer zu einem großen Teil die Welt regieren und Frauen eben nicht, lässt sich auch im Verhalten darlegen. So würden Frauen, glaubt man der Geschlechterforschung, mehr diskutieren und Probleme offen austragen als Befehle zu geben und die Probleme totschweigen. Das wäre allerdings eine große Veränderung, denn mal ehrlich, schauen wir in die Umfragen so wünschen sich doch immer mehr, dass einfach mal gehandelt wird anstatt nur herum zu zögern und zu viel zu überlegen.

Ein Vorschlag zur Güte:_

Wir probieren das mal aus. Wir drehen das Geschlechterverhältnis um. Wir warten hier mal zehn Jahre und die Männer freuen sich, dass sie mal weniger Verantwortung tragen müssen. Vielleicht führten wir dann nicht mehr so viele Kriege und die Waffenindustrie muss zurückstecken und vielleicht würden dann ganz neue Konzepte zur Familienplanung gefunden werden, aber ich glaube nicht, dass wir uns davor groß fürchten müssten.

Es ist also Quatsch, dass Frauen an die Macht sollten nur weil sie Frauen sind (Frauen haben auch gar kein so großes Bedürfnis nach Macht), aber es ist ein noch viel größerer Bullshit Frauen jeden Zugang zu Entscheidungspositionen zu verweigern, weil sie nicht in die Machtkämpfe mit so viel Testosteron wie Männer einsteigen.

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