Letzte Woche haben wir uns mit dem Bereich Lebensmittel und Ernährung beschäftigt und gesehen, dass dies viel mit dem eigenen Einkaufsverhalten zu tun hat. Was kaufst Du neben Lebensmitteln denn noch so ein? Viele werden Kleidung antworten. Neue T-Shirts, Kleider, Hosen oder Pullover shoppen gehört für viele regelmäßig dazu und im Schnitt kauft jede*r 60 neue Kleidungsstücke im Jahr. Modisch und dem Trend entsprechend gekleidet sein, immer etwas Neues und außergewöhnliches tragen und nicht ständig dasselbe. Wie ist es bei Dir? Was und wie viel findet sich in Deinem Kleiderschrank?

Manche stellen sich bei kritisch konsumierter, fairer Kleidung oft eintönige und wenig modische Teile vor, die schon von weitem mehr als „öko“ aussehen. Aber das ist ein altes und überhaupt nicht mehr aktuelles Klischee. Es wird immer einfacher sich fair und „öko“ zu kleiden aber dennoch modisch im Trend zu liegen. Wie das geht? Darum soll es heute in unserem Fastenbeitrag gehen.

Bei fair hergestellter Kleidung geht es um zwei hauptsächliche Aspekte. Zum einen um die ökologisch und faire Herstellung und Produktion der Materialien und zum anderen um die faire und soziale Herstellung und Produktion der Kleidung selbst. Beide Bereiche betreffen auch die ökonomische Nachhaltigkeit. Damit spielt faire Kleidung in der Mitte des Nachhaltigkeitsdreiecks aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit. Wie ökologisch für die Umwelt, wie sozial für die Menschen und wie ökonomisch für alle Beteiligten wird unsere Kleidung hergestellt?

Starten wir mit dem Blick auf die Materialien unserer Kleidung. Die verschiedenen Stoffe für T-Shirts oder eine Jeans werden oft aus Baumwolle hergestellt. Konventionelle Baumwollproduktion sind Monokulturen, die sehr viel Wasser und den Gebrauch von Pestiziden verlangen. Dadurch wird die Umwelt in den Anbaugebieten stark geschädigt, die Artenvielfalt wird geringer, das Grundwasser verschmutzt. Neben den eindeutigen Umweltschäden, hat das alles auch einen sehr negativen Einfluss auf die Menschen in der Anbaugegend und insbesondere auf die Arbeiter*innen auf den Baumwollplantagen. Besonders bei einer Jeans wird der Stoff oft noch umweltschädlich weiter verarbeitet mit Färbungen oder anderen Effekten wir dem Stone-Washing-Effekt. Um diese umweltschädlichen Materialien nicht mehr zu konsumieren, kannst Du ganz einfach auf Bio-zertifizierte Baumwollprodukte zurückgreifen. Baumwolle ist hier nur ein Beispiel für Materialien, aus denen unsere Kleidung ist. Informier Dich über den kleinen eingenähten Zettel über die Bestandteile Deiner Kleidung und aus welchen Materialien sie besteht.

Die Schädigung der Arbeiter*innen durch die Pestizide haben wir schon erwähnt und sind somit eigentlich direkt beim nächsten Punkt, nämlich die faire und soziale Herstellung und Produktion unserer Kleidung. Neben den gesundheitlichen Schäden werden Arbeiter*innen auch anderweitig ausgebeutet. Durch die Übernutzung von Anbauflächen, durch weltweite Überproduktion und fehlenden staatlichen Unterstützungen sind die Anbauer*innen von Baumwolle wirtschaftlich abhängig und ausgenutzt. Zudem gibt es immer noch viele Kinder, die auf Baumwollplantagen oder in anderen Fabriken der Kleidungsindustrie arbeiten. Auch fehlt es an fairer Entlohnung der Arbeiter*innen. Bei einer herkömmlichen Jeans geht nur etwa 1% des Kaufpreises an alle Arbeiter*innen, dafür aber 50% an den Handel. Das ist alles andere als fair. Und zeigt deutlich auch den ökonomischen Aspekt auf. Durch den weltweiten Handel und Druck ist es manchen Menschen im Herstellungsprozess einfach nicht möglich, beispielsweise Aspekte von ökologischer Nachhaltigkeit zu bedenken, da sie ansonsten ökonomisch nicht überleben könnten. Es spielt immer alles zusammen.

Die sozialen Hintergründe sind oft schwieriger zu erfassen und es gibt auch weniger Kontrolle durch unabhängige Siegel. Ein Siegel jedoch, versucht alle Bereiche zu erfassen und somit nicht nur die ökologische Herstellung der Baumwolle zu beurteilen, sondern auch weitere Aspekte im gesamten Herstellungsprozess unserer Kleidung beobachten und bewerten: Der Grüne Knopf https://www.gruener-knopf.de/.

Mit dem grünen Knopf sind wir bei unseren Handlungsmöglichkeiten angekommen. Wie kann jede*r von uns kritisch konsumieren im Bereich Kleidung? In erster Linie gilt auch hier die Nachhaltigkeitspyramide, die wir im letzten Beitrag vorgestellt haben. Nutze zuerst Dinge, die Du bereits hast und hinterfrage jede Konsumentscheidung. Wirf Deine Sachen, die vielleicht ein Loch haben oder Dir nicht mehr gefallen, nicht direkt weg, sondern repariere oder verändere sie. Besonders Kleidung lässt sich oft noch weitergeben oder tauschen. Manchmal wird die alte Jeans mit einem neuen Aufnäher gleich wieder zum Hingucker und neuen Lieblingsstück.

Zusammenfassend heißt das:

  • Nutze, repariere oder tausche Deine vorhandene Kleidung
  • Pflege Deine Kleidung gut, damit sie länger hält. Versuche ökologisch zu waschen (weniger Grad, ökologisches Waschmittel wie Waschnüsse oder Kastanien), nutze keinen energiefressenden Trockner und repariere kleine Schäden direkt, bevor das Kleidungsstück ganz kaputt ist.
  • Wenn es doch etwas Neues sein soll, kauf Second Hand ein und gib somit aussortierter Kleidung eine neue Chance.
  • Achte bei ganz neuer Kleidung auf nachhaltige Siegel, auf die Herkunft und die Herstellungsbedingungen.

Und zähle doch mal die Anzahl Deiner Kleidungsstücke im Schrank. Wie viele sind es? Und wie viele davon trägst Du wirklich regelmäßig? Um Dir bewusst zu machen, wie wenig Kleidung ein Mensch wirklich im Schrank haben muss, gibt es die 10×10 Challenge. Versuche 10 Tage lang mit 10 Kleidungsstücken auszukommen. Diese kannst Du immer anders kombinieren oder auch mit Accessoires anders wirken lassen. Ist das nicht mal einen Versuch wert?

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